Erläuterung Haushaltsnahe Dienstleistungen

P&P Hausverwaltung Katrin Paatzsch

Mit Schreiben vom 3.11.06 hat das Bundesfinanzministerium die Anwendung des Paragraphen 35 a EStG hinsichtlich der haushaltsnahen Dienstleistungen für Wohnungseigentümergemeinschaften und Mieter klargestellt und erläutert.

Wir geben Ihnen hier einen ersten Überblick und weisen darauf hin, dass es sich um eine allgemeine Darstellung handelt, so dass wir für deren rechtlichen Bestand nicht haften. Verbindliche Auskünfte erhalten Sie - kostenpflichtig - bei Ihrem Steuerberater oder beim Finanzamt.

1. Haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse in einem inländischen Haushalt
= Tätigkeit, die einen nahen Bezug zum Haushalt hat, u.a. die Zubereitung von Mahlzeiten im Haushalt, die Reinigung der Wohnung des Steuerpflichtigen, die Gartenpflege und die Pflege, Versorgung und Betreuung von Kindern, kranken, alten oder pflegebedürftigen Personen; Tagesmütter nur, wenn die Betreuung im Haushalt des Steuerpflichtigen stattfindet.

a) als geringfügige Beschäftigung;
Voraussetzung ist die Teilnahme des Steuerpflichtigen am Haushaltsscheckverfahren

Steuerermäßigung: 10%, höchstens 510 € vom

  • Arbeitsentgelt
  • Sozialversicherungsbeiträge
  • Lohnsteuer und ggf. Solidaritätszuschläge
  • ggf. Kirchensteuer
  • Umlagen (U1 und U2)
  • Unfallversicherungsbeiträge

Nachweis: von der Minijob-Zentrale zum Jahresende erteilte Bescheinigung

b) mit Pflichtbeiträgen zur gesetzlichen Sozialversicherung
(keine geringfügige Beschäftigung)
Steuerermäßigung: 12%, höchstens 2.400 € vom
- Bruttoarbeitslohn
- Anteil des Arbeitsgebers an der Sozialversicherung incl. Umlagen
Nachweis:
Arbeitsvertrag oder LSt-Jahresbescheinigung, Jahresbescheinigung Sozialversicherung, Bankbelege usw.

2. Haushaltsnahe Dienstleistungen in einem inländischen Haushalt

a) Selbstständiger Dienstleister oder Dienstleistungsagentur,

z. B. Fensterputzer, Pflegedienste, Hausmeister-Service, Gartenpflegedienste, für Dienstleistungen, die gewöhnlich durch Mitglieder des privaten Haushalts erledigt werden; auch Umzugsdienstleistungen für Privatpersonen, die nicht von Dritten erstattet werden.

Steuerermäßigung: 20% höchstens 600 € von den Aufwendungen für die Dienstleistung einschließlich Fahrtkosten.
In der Rechnung enthaltenes Material, das im Zusammenhang mit der Dienstleistung steht, kann nicht angesetzt werden.
Bei Inanspruchnahme von Dienstleistungen zur Betreuung von Pflegebedürftigen (Nachweis der Pflegebedürftigkeit durch Bescheinigung der sozialen Pflegekasse, des privaten Pflichtversicherers oder amtsärztliches Attest) verdoppelt sich der Höchstbetrag der Steuerermäßigung (also 1.200 €). Die Steuerermäßigung steht dem steuerpflichtigen Pflegebedürftigen oder für ihn aufkommenden Angehörige zu, unabhängig davon, ob die Leistungen im Haushalt des Angehörigen oder der zu pflegenden Person erbracht werden ( nur einmalige Inanspruchnahme der Steuerermäßigung auch bei mehreren pflegebedürftigen Personen in einem Haushalt). Die Leistungen der Pflegeversicherung sind anzurechnen.
Nimmt der Angehörige den Pflegepauschalbetrag (§ 33b (6) EStG) in Anspruch kann er keine Steuerermäßigung für Pflegeaufwendungen geltend machen.
Nachweis: durch Rechnung und Bankbeleg

b) Handwerkerleistungen
= Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen in einem inländischen Haushalt, keine Neubaumaßnahmen u.a.

  • Arbeiten an Innen- und Außenwänden
  • Arbeiten am Dach, an der Fassade, an Garagen, o.ä.
  • Reparatur oder Austausch von Fenstern und Türen
  • Streichen/Lackieren von Türen, Fenstern, Wandschränken, Heizkörpern und -Rohren
  • Reparatur oder Austausch von Bodenbelägen
  • Reparatur, Wartung oder Austausch von Heizungsanlagen, Elektro-, Gas- und Wasserinstallationen
  • Modernisierung oder Austausch der Einbauküche
  • Modernisierung des Badezimmers
  • Reparatur und Wartung von Gegenständen im Haushalt des Steuerpflichtigen (z.B. Waschmaschine, Geschirrspüler, Herd, Fernsehen, PC)
  • Maßnahmen der Gartengestaltung
  • Pflasterarbeiten auf dem Wohngrundstück
  • Kontrollaufwendungen (z.B. Schornsteinfegergebühr, für die Kontrolle von Blitzschutzanlagen)
  • Handwerkliche Leistungen für Hausanschlüsse ( z.B. Kabel für Strom oder Fernsehen)

Steuerermäßigung: 20% höchstens 600 € von den Arbeitskosten einschließlich Maschinen- und Fahrtkosten

Nachweis: durch Rechnung und Bankbeleg
Auf der Rechnung müssen die Arbeitskosten separat ausgewiesen sein. Materialkosten werden nicht berücksichtigt. (Bei Wartungsverträgen - Mischkalkulationen - kann der Anteil der Arbeitskosten auch aus einer Anlage hervorgehen)
• Bis 2006 ist die Schätzung des Anteils der Arbeitskosten möglich.

3. Anspruchsberechtigte
Der Steuerpflichtige kann die Steuerermäßigung grundsätzlich nur in Anspruch nehmen, wenn er
- in den Fällen zu 1 a) und b) Arbeitgeber oder
- in den Fällen zu 2 a) und b) Auftraggeber ist;
• auch als Heimbewohner, Voraussetzung: Er führt einen eigenständigen abgeschlossenen Haushalt im Heim. Ein Haushalt in einem Heim ist gegeben, wenn
• die Räumlichkeiten des Steuerpflichtigen von ihrer Ausstattung für eine Haushaltsführung geeignet sind (Bad, Küche, Wohn- und Schlafbereich),
• sie individuell genutzt werden können (Abschließbarkeit) und
• eine eigene Wirtschaftsführung des Steuerpflichtigen nachgewiesen oder glaubhaft gemacht
wird.

Wohnungseigentümer in einer Wohnungseigentümergemeinschaft
Ist die Wohnungseigentümergemeinschaft Arbeitgeber und/oder Auftraggeber, kann der einzelne Wohnungseigentümer eine Steuerermäßigung beantragen, wenn
• in der Jahresabrechnung die im Kalenderjahr unbar gezahlten Beträge nach den begünstigten Beschäftigungsverhältnissen und Dienstleistungen jeweils gesondert aufgeführt sind,
• der Anteil der steuerbegünstigten Kosten (Arbeits- und Fahrtkosten) ausgewiesen ist und
• der Anteil des jeweiligen Wohnungseigentümers anhand seines Beteiligungsverhältnisses individuell errechnet wurde.
• Dies gilt auch, wenn ein Verwalter bestellt ist. Der Nachweis ist durch eine Bescheinigung des Verwalters über den Anteil des jeweiligen Wohnungseigentümers zu führen.

Mieter
Voraussetzung: Die von ihm zu zahlenden Nebenkosten umfassen Beträge für ein haushaltsnahes Beschäftigungsverhältnis oder haushaltsnahe Dienstleistungen
• sein Anteil an den vom Vermieter unbar gezahlten Aufwendungen geht aus der Jahresabrechnung hervor oder
• er weist den Anteil durch eine Bescheinigung vom Vermieter ( oder Verwalter ) nach.

4. Allgemeine Regelungen
- Bei wiederkehrenden Dienstleistungen, z. B. Reinigung des Treppenhauses oder Gartenpflege, sind die in der Jahresabrechnung ausgewiesen, für den Veranlagungszeitraum geleisteten Vorauszahlungen maßgebend.

- Die Höchstbeträge aus 1. und 2. können auch von zwei Alleinstehenden, die in einem Haushalt zusammen leben, nur einmal in Anspruch genommen werden.

- Bei regelmäßig wiederkehrenden Ausgaben, z. B. nachträgliche monatliche Zahlung oder monatliche Vorauszahlungen für haushaltsnahe Dienstleistungen, die innerhalb von 10 Tagen vor Beginn oder nach Beendigung des Kalenderjahres fällig und geleistet worden sind, werden die Ausgaben dem Kalenderjahr zugerechnet, zu dem sie wirtschaftlich gehören.

- Die Steuerermäßigung nach 1. a) und b) sowie 2. a) und b) können nebeneinander in Anspruch genommen werden. Liegen die Voraussetzungen für ein haushaltsnahes Beschäftigungsverhältnis vor, ist hierfür die Inanspruchnahme der Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen ausgeschlossen.

- Für jeden Kalendermonat, in dem die Voraussetzungen nicht vorliegen, vermindert sich der Höchstbetrag um ein Zwölftel.

- Nur Aufwendungen, die nicht als

• Betriebsausgaben oder Werbungskosten
• Außergewöhnliche Belastungen

können geltend gemacht werden und es sich bei den Aufwendungen nicht Entgelte für geringfügige Beschäftigung handelt. (Beispiele: vermietete Eigentumswohnung, Büro oder Laden im Wohneigentum, Entgelte für pauschale Arbeitskräfte).
Auf Grund der späten Vorgabe des Bundesfinanzministeriums müssen die Hausverwaltungen alle in Frage kommenden Rechnungen des Jahres 2006 auf ihre steuerliche Relevanz einzeln durchsehen und prüfen, die Lohnanteile bestimmen und berechnen, sowie auf Extrakonten umbuchen, damit Ihr Anteil errechnet werden kann.

Sie können daran erkennen, dass die kommende Abrechnung einen erheblichen Mehraufwand für die Hausverwaltung bedeutet und die Abrechnungserstellungen verzögern kann.
Die steuerrechtliche Bewertung der relevanten Belege werden wir nach bestem Wissen und Gewissen vornehmen, aber letztlich nicht für das Ergebnis haften können, da die Beurteilung von steuerrechtlichen Sachverhalten nicht zu den Aufgaben einer Wohnungseigentumsverwaltung gehört. Steuerrechtlich verbindliche Auskünfte erhalten Sie kostenpflichtig bei ihrem Steuerberater und beim Finanzamt.
Ihre Hausverwaltung möchte Sie schon jetzt darauf aufmerksam zu machen, um Ihnen rechtzeitig die Chance zu geben, diese neuen Möglichkeiten nutzen zu können. Eine Ersparnis wird es nach unserer Einschätzung bei fast allen selbstnutzenden Eigentümern geben.

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